Die Wortkombination „Kraut und Rüben“ verbinden viele mit chaotischem Durcheinander, damit, dass ganz unterschiedliche Dinge in einen Topf geworfen werden – Kraut und Rüben ist vielleicht auch etwas, das von der Norm abweicht? Ich kenne aus Kindertagen noch den Reim „Kraut und Rüben haben mich vertrieben, hätt´ mein´ Mutter Fleisch gekocht, wär ich länger ´blieben“.
Ganz und gar nicht vertrieben fühlten sich die Teilnehmer des Kraut- und Rübengottesdienstes am Sonntag Laetare (lateinische Bezeichnung des 4. Fastensonntags „freue dich“). Hinter „Kraut und Rübengottesdienst“ verbirgt sich in unserer Gemeinde ein Familien- bzw. Kindergottesdienst, bei dem es nicht primär darum geht, dass alle Kinder stillsitzen, leise sind und zuhören, sondern es ist ein aktiver Mitmach-Gottesdienst. Diesmal sollte eine „Osterkrippe“ im Mittelpunkt stehen. Pfarrer Ludewig erläuterte, dass es in Analogie zur Advents- und Weihnachtszeit auch in der Fasten- bzw. Passionszeit darum geht, das Geschehen vor und um Ostern figürlich zu gestalten. Am Sonntag Laetare ist die Mitte der Fastenzeit erreicht, das Osterfest naht und die Freude darauf steigert sich.
Zur Karwoche und zum Osterfest gehören das leere Grab, der Stein davor und natürlich das Kreuz. Etwas schwieriger für die Kinder zu erklären war dann, dass am Ostermorgen tiefe Traurigkeit in eine große Freude mündet. Anhand des Liedes „Korn, das in die Erde“ war dafür ein Beispiel aus dem Alltag gefunden: Das Lieblingsspielzeug geht kaputt oder geht gar verloren oder schlimmer Streit mit der besten Freundin verbreitet traurige Gedanken. Die Tränen und Traurigkeit bedeuten eine große Belastung. Für all diese Klagen und Belastungen, die es wohl für jeden gibt, bekamen alle Teilnehmer einen Stein, auf dem man ein Stichwort oder eine Skizze der Dinge hinterlassen konnte, die uns belasten. All diese Steine durfte man vor Gott bringen, sie auf den Altar legen, denn unser Glaube ist die Grundlage für die österliche Hoffnung. Diese Grundlage wurde für die anzufertigende Bastelarbeit als Erde auf einem Teller dargestellt und Grassamen wurden darüber gestreut in der freudigen Erwartung, dass es bis Ostern grünt, dass aus dem noch leblosen Samen eine kräftige Pflanze wird. Um das zugehörige Kreuz zu basteln, konnten kleine Zweige aus dem Garten geholt und mit einem Faden kreuzförmig zusammengefügt werden. So vervollständigte sich die Szenerie langsam. Für die Freude am Ostermorgen wurde im leeren Grab noch ein Teelicht untergebracht, welches dann Ostern entzündet wird.
Bis zum Ostermorgen kann nun jeder seinen Teller mit der Erde und den Grassamen, mit dem Stein als Symbol für alle Beschwerlichkeiten weiter vervollständigen und hoffen, dass die Saat aufgeht. Und, um beim oben erwähnten Beispiel zu bleiben, es ist nach all der Traurigkeit um verlorenes oder defektes Spielzeug, um Streitereien mit den Freunden dann hinterher umso schöner, umso freudiger, wenn das Spielzeug repariert oder erneuert und der Streit geschlichtet wurde.
Auch wenn dieser Gottesdienst primär auf kleine Besucher ausgerichtet war und ihre gestalterischen Fähigkeiten gefragt waren, so hatte ich als Erwachsener Freude an der gelungenen Symbolik – und eine prima Anleitung zum Basteln mit den Enkeln war es auch. Mit Unterstützung durch den Kirchdienst und mit musikalischer Begleitung durch Herrn Evermann hat Pfarrer Ludewig einen einprägsamen Gottesdienst gestaltet. Nicht unerwähnt bleiben soll auch das nette Beisammensein im Café Stall nach dem Gottesdienst – schwarzer Kaffee in der Passionszeit. Ein herzliches Dankeschön geht an alle Beteiligten.

