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Wie in himmlischen Gefilden …

…. konnte man sich fühlen bei einem Besuch im Depot des Berliner Stadtmuseums (ehemals Märkisches Museum). Warum? Weil wir dabei umgeben waren von Engeln, Heiligen und allerhand kirchlichem Zubehör. Hier lagert, wie bereits früher berichtet, auch der hölzerne Taufengel aus der Wandlitzer Kirche. 

Diese Taufengel fanden sich seit Beginn des 18. Jh. als moderne Ausstattungsstücke in vielen Kirchen  Norddeutschlands. Sie waren oft so konstruiert, dass sie bei der Taufzeremonie von der Decke herab gelassen wurden, ein Schale mit Wasser haltend. Unter dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. setzte sich später jedoch eine schlichte, sehr reduzierte Gestaltung des Kircheninneren durch. Viel Zierrat wurde entfernt, so auch der Wandlitzer Taufengel. Er wurde auch deshalb 1876 zum Museumsstück, weil das neu gegründete Märkische Museum in Berlin mit Exponaten gefüllt werden sollte. Bis heute wird der Engel im Depot des Märkischen Museums in Berlin gehütet und fachgerecht aufbewahrt.

Davon konnte sich eine kleine Gruppe interessierter Gemeindemitglieder bei einem Besuch in Berlin überzeugen. Wir wurden sehr freundlich und entgegenkommend empfangen und mussten als Erstes erfahren, dass man unserem Engel wohl eher mit etwas Abstand begegnen sollte. Klar, man muss vorsichtig sein, denn der Engel ist alt und wertvoll und auch etwas ramponiert, so meine Einstellung. Aber es war die Giftigkeit des früher verwendeten Holzschutzmittels, das sowohl die Mitarbeiter im Depot als auch uns Besucher zwang, Schutzkleidung anzulegen. 

Nachdem die „Verkleidung“ abgeschlossen war, empfingen uns im Depot für Holzskulpturen die oben erwähnten Heerscharen von Engeln und Heiligen, umgeben von allerlei Verzierung und anderem Schmuck aus Kirchen. 

Vier Mitarbeiter aus dem Depot begleiteten uns und gaben eine sachkundige Einführung zu Fragen des Denkmalschutzes, der Konservierung und zu technischen Möglichkeiten der Pflege- und Rekonstruktion. 

Unser Wandlitzer Engel soll auch zu den Schönheiten unter den Engeln zählen, so erfuhren wir. Erfreulich ist auch, dass inzwischen abgelöste Teile (ein Fuß und die Flügel) aufgetaucht sind. Sie waren wegen der Holzschutzmittel jedoch erst einmal nur in der Verpackung anzusehen. 

Ausgestattet mit einem  lieblichen Gesicht und eine nicht mehr vorhandene Taufschale haltend, hängt unser Engel von der Decke herab und scheint in einer gleitenden Bewegung dem Betrachter entgegenzukommen. 

Man kann ihn sich gut vorstellen in der Wandlitzer Kirche. 

Die Vorstellungen des Gemeindekirchenrates gehen dahin, dass von diesem Engel eine dreidimensionale Kopie in Originalgröße angefertigt und im Turm der Wandlitzer Kirche aufgehängt wird. Dort soll quasi eine kleine Taufkapelle eingerichtet werden. 

Was erforderlich ist, dieses Projekt zu realisieren, wurde in einer abschließenden Gesprächsrunde diskutiert. Dabei fiel mir das Engagement und die Bereitschaft der Mitarbeiter des Depots auf. Sie stehen unserer Idee sehr aufgeschlossen gegenüber, denn sie sind daran interessiert, diese musealen Schätze möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Technische Einzelheiten, der zeitliche Rahmen und die personellen Ressourcen standen dabei eher im Vordergrund als der finanzielle Aufwand. Das Depot hat gerade Technik zum dreidimensionalen Scannen von derartigen Skulpturen erworben, bietet uns Hilfe an und kann auch gleichzeitig Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Aber natürlich muss auch erst einmal probiert werden, wie die Staubschicht auf dem Engel schonend entfernt werden kann oder wie er transportiert werden sollte. 

All diese Fragen erfordern weitere Konsultationen oder gar einen nochmaligen Besuch im Depot. Aber ich denke, angesichts der freundlichen Atmosphäre und des Entgegenkommens von Seiten der Mitarbeiter dort, ist das keine lästige Pflicht, sondern für uns Laien eher eine weitere „Bildungsreise“ in Sachen Konservierung und Archivierung. Ich war erstaunt, wie dieses Depot im Inneren aussah. Seit 2003 ist die Stiftung Stadtmuseum Berlin Nutzer der denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikhallen (früher ein Kabelwerk) in der Poelzig-Straße.  Die langen, vielfach verzweigten Gänge sind blitzsauber, an den Wänden hängen Bilder, Plakate und Dokumente aus diversen Abteilungen des Depots, z.B. Theaterplakate und alte Stadtansichten, so dass allein der Weg zu den Holzskulpturen ein interessanter und lehrreicher Spaziergang war und nichts mit Wirrwarr oder Gerümpel  zu tun hatte, was man vielleicht klischeehaft mit einem Depot verbindet. Alles ist  hell, übersichtlich und einladend. Wir danken an dieser Stelle noch einmal für die Gastfreundschaft und das konstruktive Miteinander im Depot des Berliner Stadtmuseums. 

Einen kleinen Eindruck, wie der Taufengel bei uns einmal aussehen könnte, kann man sich bereits jetzt verschaffen. Dank der vorangegangenen Aktivitäten von Herrn Jürgen Kohls und Frau Dr. Claudia Schmid-Rathjen aus unserer Gemeinde hängt im Pfarrbüro in Basdorf bereits eine zweidimensionale Kopie.  Kommen Sie gern vorbei und informieren sich! Oder stöbern Sie im Buch „Taufengel in Brandenburg. Eine Bestandserfassung“ (Hrsg. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseums, Imhof-Verlag Berlin 2013).

Sybille Gruska

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