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„Herzlichen Glückwunsch, Frau Nachbarin!“

Erfahrungen aus dem Kontaktjahr im Basdorfer Ortsteil Waldheim

Vor gut zwei Jahren berichtete der Tagesspiegel über eine Diskussion mit Bischof Dr. Christian Stäblein. Am Ende stand eine einfache Einsicht: Kirche lebt dort, wo Menschen einander begegnen. Das persönliche Besuchen, das Gespräch von Tür zu Tür, gehört zu den ältesten Formen christlicher Gemeinschaft. Glauben beginnt nicht im Raum, sondern zwischen Menschen.

Aus diesem Geist heraus entstand in unserer Landeskirche das Projekt „Kontaktjahr“. Meine Frau Margot und ich waren davon sofort begeistert.

Nach einem Gespräch mit Pfarrer Ludewig erhielten wir die Adressen der evangelischen Kirchenmitglieder im Ortsteil Waldheim – rund 50 Familien. Wir begannen mit einem kleinen, überschaubaren Zeichen der Nähe: einer

persönlichen Geburtstagskarte für alle Gemeindeglieder ab dem Konfirmationsalter. Ein Gruß von einem Nachbarn zum anderen verbunden mit Grüßen der Kirchengemeinde. Kein Programm, keine Verpflichtung – nur Aufmerksamkeit und die Einladung zum Gespräch.

Seitdem tragen wir diese Karten zu Fuß aus. In den ersten sechs Monaten waren es 31. Und mit jeder Karte öffnete sich ein Stück Lebensgeschichte. Da ist der Mann, der überrascht innehält, weil er sich erinnert fühlt. Die ältere Dame, die von ihrem täglichen Gebet erzählt und davon, wie der Glaube sie durch ein langes Leben getragen hat. Das Ehepaar, das von Enttäuschungen wie auch kräftigenden Erlebnissen in verschiedenen Gemeinden spricht – und zugleich von tiefem ehrenamtlichem Engagement in der „Zivilgesellschaft“ als Ausdruck ihres Christseins. Und die junge Frau, die

schlicht sagt: „Damit habe ich nicht gerechnet“. Was uns in all diesen Begegnungen berührt hat, ist weniger das Gesagte als das Gefühl dahinter: gesehen zu werden. Die Leitfrage des Kontaktjahres lautet: „Kennen wir uns?“. Unsere Karten stellen diese Frage nicht direkt – aber sie lassen sie mitschwingen. Christsein erschöpft sich nicht im sonntäglichen Gottesdienst. Es zeigt sich im Zuhören, im Teilen von Erfahrungen, im Aushalten von Brüchen, im gemeinsamen Hoffen.

Fünf Briefe im Monat, jeweils etwa zwanzig Minuten Zeit – und doch kann daraus etwas Kostbares wachsen: Vertrauen, Gemeinschaft, ein leiser Sinn von Zugehörigkeit. Kirche nicht zuerst als Institution, sondern als Raum, in dem Menschen mit ihren Fragen, Erinnerungen und Hoffnungen Platz haben.

In diesem Geist soll ein Erfahrungsaustausch stehen von allen, die im Besuchsdienst aktiv sind oder es werden möchten: 10.10. 17 Uhr

im Gemeindehaus Basdorf. Es geht ums Erzählen, ums Hören, ums gemeinsame Nachdenken darüber, wie wir einander begegnen können.

Schön, wenn wir uns dort treffen.

Aus dem Gemeindebrief 03-05/2026 von Mathis Oberhof

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