Zuhören ist eine Kunst, die mehr braucht als zwei Ohren – so steht es auf einem Flyer, den ich in meiner Post fand. Gut, war mein erster Gedanke, zwei Ohren mit gutem Hörvermögen garantieren, dass akustische Signale aus der Umwelt wahrgenommen werden können, z.B. den Rasenmäher in Nachbars Garten oder den Radiowecker am Morgen. Aber was kennzeichnet die Kunst des Zuhörens? Zunächst braucht es ja wohl erst einmal zwei Personen – einen Erzähler und einen Zuhörer (Sender und Empfänger). Und echtes Zuhören beinhaltet wohl, dass man sich nicht nur die Aufzählung von Fakten anhört, sondern versucht Zusammenhänge, verstecke Probleme in den Äußerungen seines Gegenübers zu entdecken. Das erfordert Aufmerksamkeit, Zeit und Empathie des Zuhörenden. Und sicher steht auch der Zuhörende nicht vordergründig im Mittelpunkt eines Gespräches und … und … wenn man diese Gedanken weiter spinnt, merkt man schnell, dass Zuhören wirklich mehr braucht als zwei intakte Ohren, also eine Kunst ist.
Ganz besonders gefragt ist diese Kunst, wenn Fragen und Probleme unlösbar erscheinen, ein hilfreicher Mensch als Gegenüber fehlt und die alltägliche Situation als so belastend empfunden wird, dass sie Lebenskrisen heraufbeschwören kann. Für derartige Fälle gibt es die Kirchliche Telefonseelsorge. Hier fungieren ehrenamtlich Mitarbeiter als möglichst vorurteilsfreie Zuhörer, versuchen Unterstützung zu bieten oder weiterführende Hilfe zu vermitteln. Selbstverständlich erfolgen diese Telefongespräche anonym und unter Schweigepflicht der Beteiligten.
Die Kirchliche Telefonseelsorge Berlin/Brandenburg wird jährlich ca. 60 000 Mal in Anspruch genommen, so steht es in erwähntem Flyer. Diese Hilfe kann rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr genutzt werden und ist für den Anrufer gebührenfrei. Dennoch entstehen Kosten – durch die gesamte Organisation dieser Einrichtung, insbesondere für die erforderliche Qualifikation und laufende Schulung der Mitarbeiter.
Um diese Kosten abzusichern, wirbt die Kirchliche Telefonseelsorge jährlich zum Jahresende mit einem Benefizkonzert. Diese Konzerte finden bereits zum 27. Mal statt. In diesem Jahr wird am 01. Dezember um 20 Uhr Musik von W.A.Mozart, F.Schubert, F.Mendelssohn-Bartoldy und B.Britten erklingen und im zweiten Teil wird der Knabenchor des Staats- und Domchores Berlin Weihnachtslieder singen.
Man kann sich also im festlichen Ambiente des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt bereits auf Advent und Weihnachten einstimmen lassen. Die Eintrittskarten können auch ein besonderes Geschenk für besondere Menschen darstellen. Die Preisspanne bewegt sich zwischen 26 und 40 € für eine Einzelkarte. Sie sind zu erwerben bei der Kirchlichen Telefonseelsorge unter 030-440 308 342, montags bis donnerstags von 10 bis 13 Uhr, oder per Mail unter foerderverein@berliner-telefonseelsorge.de. Ausführliche Informationen gibt es auf der Webseite www.ktsbb.de
Interessante Aspekte bei diesen Konzerten sind auch die Einführungsreden prominenter Persönlichkeiten aus Kirche und Politik. So würdigten in den letzten Jahren z.B. Joachim Gauck, Bundespräsident a.D. oder der Landesbischof der EKBO Christian Stäblein die Kirchliche Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg.
Vielleicht haben auch Sie Lust bekommen auf ein besonderes Konzert, in besonderer Umgebung für einen wohltätigen Zweck – eine herzliche Einladung dazu!
Sybille Gruska

